Was fehlt
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Ich zöge gerne auch zu Nordlands Fjorden,Auf stolzem Schiffe durch die Meeresflut,Ich möchte gerne auch den Süden schau’n,Voll Glanz und Licht, und unter Palmen wandeln. –
Die Gletscher möcht’ ich seh’n, die blanken Firnen,Vom Gold des Abends purpurn überstrahlt,Die Täler drunten, lauschig und versteckt,Asyl der Freiheit und dem armen Flüchtling. –
Und noch so vieles möcht’ ich gerne schauen,Was prächtig ist, mit schönheitsdurst’gem Aug’ –Mir fehlt die Lust nicht, aber mehr – das Geld,Zur Wallfahrt nach den Erdenparadiesen. –
Wär’ ich wie „Du“ mit allem ausgerüstet,Was Macht und Reichtum Sterblichen gewährt,Ich bliebe auch nicht hocken hier am Herd –So aber kann Erkenntnis mir nicht frommen. –
Nein, nutzlos und zur Qual wird das Erkennen,Weil es der Sehnsucht doch nicht Flügel leihtZum Fluge durch der Schönheit Lustrevier –Mir fehlt das Geld, das schnöde Geld zum Reisen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 88-89, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Was fehlt (Kämpchen)“, Fassung 1.228.518 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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