Schönheit
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Nach Schönheit dürstet die Seele mirVon früh’ster Jugend an, und immer noch,Deckt auch der Reif des Alters schon mein Haupt,Bin schönheitsdurstig ich und späh’ und späh’Nach Götterbildern, wie die Sehnsucht sieMir vor die Seele zaubert – doch umsonst! –
Umsonst! – Ein Kärrner fron’ ich in dem JochDer groben Alltagswelt – nie wird mein Aug’Die sonnigen Gefilde Griechenlands,Neapels Golf und den Vesuvus schau’n. –
Wo auch die Schönheit thront – mir frommt es nicht!Ob funkelnd Nordschein ihr die Stirn umstrahltGewitterhaft. – Ob unter Lotos sieAm heil’gen Ganges träumt – mir frommt es nicht! –
Arm, arm zu sein, bei so viel Schönheitsdurst!Erkennen, wissen, hungern und doch nieDie Sehnsucht stillen an der Göttin Brust. –
Erkennen, wissen, hungern immerfort –Und doch nie kosten von der Schönheit Frucht,Die lockt und winkt – o Qual des Tantalus!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 128, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Schönheit (Kämpchen)“, Fassung 2.345.151 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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