Elfentanz
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
36 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Des Tages Stimmen sind verhallt,Im Schlummer liegt der Föhrenwald,Die Nacht beginnt zu weben.Da lispelt es am Heidenstein,Da raunt’s in Lüften zart und feinWie Silberglöckchen beben:
„Lieb’ Brüderchen, nun ist es Zeit!“„Lieb’ Schwesterchen, ich bin bereitUnd lange schon zur Stelle.Geschmückt zum Tanze ist der Saal,Mit Wein gefüllt der Goldpokal,Glühmännchen macht uns Helle.
Und hörst du nicht schon die Musik?Cikade spielt ihr bestes StückUns beiden zum Vergnügen.Kein Auge wacht, kein Ohr, das hört,Wir sind allein und ungestört,Kein Mensch kann uns betrügen.“ –
Da reicht ihm Schwesterchen den Arm,Die Nacht ist lind, die Nacht ist warm,Zum Tanz, zum Elfenreihen.Ein Blumenteppich ist der Saal,Und Tau der Wein im Goldpokal.Karfunkeltau vom Maien. –
Sie tanzen zierlich in der Rund’Und küssen sich den roten MundUnd sind so froh und selig.Glühmännchen glänzt mit hellem Licht,Und müde wird der Spielmann nichtUnd in den Weisen wählig. –
Sie tanzen – doch die Nacht verrinnt,Im Föhrenwalde rauscht der Wind,Der Tag naht mit den Sorgen.Da ruft es wieder leis: „Ade,Lieb’ Brüderchen, bis ich dich seh!“„Lieb’ Schwesterchen, bis morgen!“ –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 13, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Elfentanz (Kämpchen)“, Fassung 1.096.977 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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