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Versbuch

Schelm von Bergen

Heinrich Heine · 17971856

52 Zeilen in 13 Strophen · zuerst gedruckt 1851

Im Schloß zu Düsseldorf am RheinWird Mummenschanz gehalten;Da flimmern die Kerzen, da rauscht die Musik,Da tanzen die bunten Gestalten.

Da tanzt die schöne Herzogin,Sie lacht laut auf beständig;Ihr Tänzer ist ein schlanker Fant,Gar höfisch und behendig.

Er trägt eine Maske von schwarzem Sammt,Daraus gar freudig blicketEin Auge, wie ein blanker Dolch,Halb aus der Scheide gezücket.

Es jubelt die Fastnachtsgeckenschaar,Wenn Jene vorüberwalzen.Der Drickes und die MarizzebillGrüßen mit Schnarren und Schnalzen.

Und die Trompeten schmettern drein,Der närrische Brummbaß brummet,Bis endlich der Tanz ein Ende nimmtUnd die Musik verstummet.

„Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,Ich muß nach Hause gehen –“Die Herzogin lacht: Ich laß dich nicht fort,Bevor ich dein Antlitz gesehen.

„Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,Mein Anblick bringt Schrecken und Grauen –“Die Herzogin lacht: Ich fürchte mich nicht,Ich will dein Antlitz schauen.

„Durchlauchtigste Frau, gebt Urlaub mir,Der Nacht und dem Tode gehör’ ich –“Die Herzogin lacht: Ich lasse dich nicht,Dein Antlitz zu schauen begehr’ ich.

Wohl sträubt sich der Mann mit finsterm Wort,Das Weib nicht zähmen kunnt’ er;Sie riß zuletzt ihm mit GewaltDie Maske vom Antlitz herunter.

Das ist der Scharfrichter von Bergen! so schreitEntsetzt die Menge im SaaleUnd weichet scheusam – die HerzoginStürzt fort zu ihrem Gemahle.

Der Herzog ist klug, er tilgte die SchmachDer Gattin auf der Stelle.Er zog sein blankes Schwert und sprach:Knie vor mir nieder, Geselle!

Mit diesem Schwertschlag mach’ ich dichJetzt ehrlich und ritterzünftig,Und weil du ein Schelm, so nenne dichHerr Schelm von Bergen künftig.

So ward der Henker ein EdelmannUnd Ahnherr der Schelme von Bergen.Ein stolzes Geschlecht! es blühte am Rhein.Jetzt schläft es in steinernen Särgen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Romanzero, Hamburg, Hoffmann und Campe, 1851. Seiten 16–18., Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schelm von Bergen“, Fassung 2.354.640 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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