Frau Sorge
Heinrich Heine · 1797–1856
26 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1851
XIV.Frau Sorge.
In meines Glückes Sonnenglanz,Da gaukelte fröhlich der Mückentanz.Die lieben Freunde liebten michUnd theilten mit mir brüderlichWohl meinen besten BratenUnd meinen letzten Dukaten.
Das Glück ist fort, der Beutel leer,Und hab’ auch keine Freunde mehr;Erloschen ist der Sonnenglanz,Zerstoben ist der Mückentanz,Die Freunde, so wie die Mücke,Verschwinden mit dem Glücke.
An meinem Bett in der WinternachtAls Wärterin die Sorge wacht,Sie trägt eine weiße Unterjack’,Ein schwarzes Mützchen, und schnupft Tabak.Die Dose knarrt so gräßlich,Die Alte nickt so häßlich.
Mir träumt manchmal, gekommen seiZurück das Glück und der junge MaiUnd die Freundschaft und der Mückenschwarm –Da knarrt die Dose – daß Gott erbarm,Es platzt die Seifenblase –Die Alte schneutzt die Nase.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Romanzero. Zweites Buch: Lamentationen. Seiten 188-189, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Frau Sorge“, Fassung 1.256.215 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.