Georg Herwegh
Heinrich Heine · 1797–1856
26 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1844
XII.Georg Herwegh.
Mein Deutschland trank sich einen Zopf,Und du, du glaubtest den Toasten!Du glaubtest jedem PfeifenkopfUnd seinen schwarz-roth-goldnen Quasten.
Doch als der holde Rausch entwich,Mein theurer Freund, du warst betroffen –Das Volk wie katzenjämmerlich,Das eben noch so schön besoffen!
Ein schimpfender Bedientenschwarm,Und faule Aepfel statt der Kränze –An jeder Seite ein Gensd’arm,Erreichtest endlich du die Grenze.
Dort bleibst du stehn. Wehmuth ergreiftDich bey dem Anblick jener Pfähle,Die wie das Zebrah sind gestreift,Und Seufzer dringen aus der Seele:
„Aranjuez, in deinem Sand,Wie schnell die schönen Tage schwanden,Wo ich vor König Philipp standUnd seinen ukkermärkschen Granden.
„Er hat mir Beyfall zugenickt,Als ich gespielt den Marquis Posa;In Versen hab’ ich ihn entzückt,Doch ihm gefiel nicht meine Prosa.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte, Zeitgedichte. S. 250–251, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Georg Herwegh (Heine)“, Fassung 3.812.092 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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