Die schlesischen Weber
Heinrich Heine · 1797–1856
27 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1847
7. Die Schlesischen Weber.(Vom Dichter revidirt.)
Im düstern Auge keine Thräne,Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:Deutschland, wir weben Dein Leichentuch,Wir weben hinein den dreifachen Fluch –Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebetenIn Winterskälte und Hungersnöthen;Wir haben vergebens gehofft und geharrt,Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt –Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,Den unser Elend nicht konnte erweichen,Der den letzten Groschen von uns erpreßt,Und uns wie Hunde erschießen läßt –Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem falschen Vaterlande,Wo nur gedeihen Schmach und Schande,Wo jede Blume früh geknickt,Wo Fäulniß und Moder den Wurm erquickt –Wir weben, wir weben!
Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,Wir weben emsig Tag und Nacht –Altdeutschland, wir weben Dein Leichentuch,Wir weben hinein den dreifachen Fluch,Wir weben, wir weben!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Album. Originalpoesien. S. 145-146, 1. Auflage, Reiche, Borna [eig. Bremen/Brüssel 1846], 1847
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die schlesischen Weber“, Fassung 3.778.363 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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