Der Hirtenknabe
Heinrich Heine · 1797–1856
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1827
König ist der Hirtenknabe,Grüner Hügel ist sein Thron;Ueber seinem Haupt die SonneIst die große, goldne Kron’.
Ihm zu Füßen liegen Schafe,Weiche Schmeichler, rothbekreuzt;Kavaliere sind die Kälber,Und sie wandeln stolzgespreizt.
Hofschauspieler sind die Böcklein,Und die Vögel und die Küh’,Mit den Flöten, mit den Glöcklein,Sind sie Kammermusizi.
Und das klingt und singt so lieblich,Und so lieblich rauschen dreinWasserfall und Tannenbäume,Und der König schlummert ein.
Unterdessen muß regierenDer Minister, jener Hund,Dessen knurriges GebelleWiederhallet in der Rund’.
Schläfrig lallt der junge König:„Das Regieren ist so schwer,Ach, ich wollt’, daß ich zu HauseSchon bei meiner Kön’gin wär’!
„In den Armen meiner Kön’ginRuht mein Königshaupt so weich,Und in ihren lieben AugenLiegt mein unermeßlich Reich!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Aus der Harzreise, S. 300–301, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Hirtenknabe“, Fassung 3.778.933 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.