Verkehrte Welt
Heinrich Heine · 1797–1856
30 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1844
XXI.Verkehrte Welt.
Das ist ja die verkehrte Welt,Wir gehen auf den Köpfen!Die Jäger werden dutzendweisErschossen von den Schnepfen.
Die Kälber braten jetzt den Koch,Auf Menschen reiten die Gäule;Für Lehrfreiheit und Rechte des LichtsKämpft die katholische Eule.
Der Häring wird ein Sanskülott,Die Wahrheit sagt uns Bettine,Und ein gestiefelter Kater bringtDen Sophokles auf die Bühne.
Ein Affe läßt ein PantheonErbauen für deutsche Helden.Der Maßmann hat sich jüngst gekämmt,Wie deutsche Blätter melden.
Germanische Bären glauben nicht mehrUnd werden Atheisten;Jedoch die französischen Papagei’n,Die werden gute Christen.
Im uckermärkschen MoniteurDa hat man’s am tollsten getrieben:Ein Todter hat dem Lebenden dortDie schnödeste Grabschrift geschrieben.
Laßt uns nicht schwimmen gegen den Strom,Ihr Brüder! Es hilft uns wenig!Laßt uns besteigen den Templower BergUnd rufen: es lebe der König!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte, Zeitgedichte. S. 269–270, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Verkehrte Welt“, Fassung 3.812.095 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.