Aus alten Mährchen winkt es
Heinrich Heine · 1797–1856
31 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Hervor mit weißer Hand,Da singt es und da klingt esVon einem Zauberland’:
Wo bunte Blumen blühenIm goldnen Abendlicht’,Und lieblich duftend glühen,Mit bräutlichem Gesicht;
Und grüne Bäume singenUralte Melodein,Die Lüfte heimlich klingen,Und Vögel schmettern drein.
Und Nebelbilder steigenWohl aus der Erd’ hervor,Und tanzen luft’gen Reigen,Im wunderlichen Chor;
Und blaue Funken brennenAn jedem Blatt und Reis,Und rothe Lichter rennenIm irren, wirren Kreis;
Und laute Quellen brechenAus wildem Marmorstein,Und seltsam in den BächenStrahlt fort der Wiederschein.
Ach! könnt’ ich dorthin kommen,Und dort mein Herz erfreu’n,Und aller Qual entnommen,Und frei und selig seyn!
Ach! jenes Land der Wonne,Das seh’ ich oft im Traum,Doch kommt die Morgensonne,Zerfließt’s wie eitel Schaum.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Lyrisches Intermezzo, S. 148–149, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Aus alten Mährchen winkt es“, Fassung 3.778.899 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.