Die Beschwörung
Heinrich Heine · 1797–1856
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt off
Der junge Franziskaner sitztEinsam in der Klosterzelle,Er liest im alten Zauberbuch,Genannt der Zwang der Hölle.
Und als die Mitternachtstunde schlug,Da konnt er nicht länger sich halten,Mit bleichen Lippen ruft er anDie Unterweltsgewalten.
Ihr Geister! holt mir aus dem GrabDie Leiche der schönsten Frauen,Belebt sie mir für diese Nacht,Ich will mich dran erbauen.
Er spricht das grause Beschwörungswort,Da wird sein Wunsch erfüllet,Die arme verstorbene Schönheit kommt,In weißen Laken gehüllet.
Ihr Blick ist traurig. Aus kalter BrustDie schmerzlichen Seufzer steigen.Die Todte setzt sich zu dem Mönch,Sie schauen sich an und schweigen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte. Seite 170–171, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, off
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Beschwörung“, Fassung 5.013.673 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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