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Versbuch

Der Ex-Lebendige

Heinrich Heine · 17971856

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1851

Brutus, wo ist dein Cassius,Der Wächter, der nächtliche Rufer,Der einst mit dir, im SeelenergußGewandelt am Seine-Ufer?

Ihr schautet manchmal in die Höh’,Wo die dunklen Wolken jagen –Viel dunklere Wolke war die Idee,Die Ihr im Herzen getragen.

Brutus, wo ist dein Cassius?Er denkt nicht mehr an’s Morden!Es heißt er sei am NeckarflußTyrannenvorleser geworden.

Doch Brutus erwiedert: du bist ein Thor,Kurzsichtig wie alle Poeten –Mein Cassius liest dem Tyrannen vor,Jedoch um ihn zu tödten.

Er liest ihm Gedichte von Matzerath –Ein Dolch ist jede Zeile!Der arme Tyrann, früh oder spat,Stirbt er vor Langeweile.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen. Seite 142–143, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Ex-Lebendige“, Fassung 3.082.249 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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