Nebel
Louise Otto-Peters · 1819–1895
18 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1893
Es lagert rings umher ein grauer Flor –Ich weiß es nicht: bricht noch die Sonn’ hervor?Wird dieser Nebel heut sie ganz verhüllen?Und ob er steigt, und ob er niederfällt?So frag’ ich wohl – doch schweigend ruht die WeltUnd Flur und Thal mit Dunst sich füllen.
Es dampft der Wald, ein rauchender Altar,Einsam darüber kreist ein scheuer Aar,Er möchte gern empor zur Sonne steigen –Doch nur ein matter Punkt im AethermeerErscheint sie heut, sonst alles grau umher –Unheimlich bang ist dieses Schweigen!
Ein Bild der Zeit! Ein Nebel schließt uns ein –Kein Wetter tobt, es glänzt kein Sonnenschein –Die Welt gehüllt in eine weite Wolke!Kein Adlerblick erspäht der Sonne Glanz –Der Freiheit Sonne – sie verhüllt sich ganz –Ein dumpfes Schweigen rings im Volke.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 177, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Nebel (Louise Otto)“, Fassung 634.982 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.