Am Morgen nach einem Sturm
Franz Grillparzer · 1791–1872
26 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1932
Im Molo di Gaeta.[27. April 1819]
Hast einmal wieder gestürmt?Wildes, tobendes Element,Wider Erd’ und HimmelFeindlich kämpfend angerennt?Töricht! Fruchtlos!Sieh! Die Erde steht unbewegtUnd der Himmel wölbt sich heiter glänzend,Lächelnd über sie und dich.Du aber bist taub und düsterUnd warst doch schön wie sie.
Feinde nicht die Erde an,Weil sie fest und grünend,Beneide nicht den Himmel,Weil er blau und hell:Bist du minder fest als jene,Bist du heller doch als sie;Bist du minder hell als dieser,Bist du fester doch als er,Und beide – willst du ruhig quellen –Spiegeln sich vereint in deinen Wellen.Drum gib auf nur die Beschwerde,Sei erst ruhig und dann schau,Ob du grün nicht wie die Erde,Wie der Himmel blau.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Franz Grillparzer - Sämtliche Werke. Hg. August Sauer. Erste Abteilung, Zehnter Band. Gedichte Erster Teil. S. 37, Anton Schroll & Co.,, Wien, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Am Morgen nach einem Sturm“, Fassung 4.672.165 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Franz Grillparzer starb 1872; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1942 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118542192 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.