Die schöne Stadt
Georg Trakl · 1887–1914
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1913
Alte Plätze sonnig schweigen.Tief in Blau und Gold versponnenTraumhaft hasten sanfte NonnenUnter schwüler Buchen Schweigen.
Aus den braun erhellten KirchenSchaun des Todes reine Bilder,Großer Fürsten schöne Schilder.Kronen schimmern in den Kirchen.
Rösser tauchen aus dem Brunnen.Blütenkrallen drohn aus Bäumen.Knaben spielen wirr von TräumenAbends leise dort am Brunnen.
Mädchen stehen an den Toren,Schauen scheu ins farbige Leben.Ihre feuchten Lippen bebenUnd sie warten an den Toren.
Zitternd flattern Glockenklänge,Marschtakt hallt und Wacherufen.Fremde lauschen auf den Stufen.Hoch im Blau sind Orgelklänge.
Helle Instrumente singen.Durch der Gärten BlätterrahmenSchwirrt das Lachen schöner Damen.Leise junge Mütter singen.
Heimlich haucht an blumigen FensternDuft von Weihrauch, Teer und Flieder.Silbern flimmern müde LiderDurch die Blumen an den Fenstern.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 16, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die schöne Stadt“, Fassung 3.569.939 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.
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