Die Bauern
Georg Trakl · 1887–1914
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1913
Vorm Fenster tönendes Grün und Rot.Im schwarzverräucherten, niederen SaalSitzen die Knechte und Mägde beim Mahl;Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.
Im tiefen Schweigen der MittagszeitFällt bisweilen ein karges Wort.Die Äcker flimmern in einem fortUnd der Himmel bleiern und weit.
Fratzenhaft flackert im Herd die GlutUnd ein Schwarm von Fliegen summt.Die Mägde lauschen blöd und verstummtUnd ihre Schläfen hämmert das Blut.
Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier,Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht.Eintönig spricht ein Knecht das GebetUnd ein Hahn kräht unter der Tür.
Und wieder ins Feld. Ein Grauen packtSie oft im tosenden ÄhrengebrausUnd klirrend schwingen ein und ausDie Sensen geisterhaft im Takt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 25, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Bauern“, Fassung 3.486.497 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.