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Versbuch

Der Frühlingsregen am Genfersee

Friederike Brun · 17651835

28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1795

Düstrer Wolkenzug , o schwebe näher,Walle still am Jura dort hinab;Und der Landmann , treuer Wetterspäher,Juble: Segen träufelt uns herab!

Seht des schönen Sees Bett verdunkelt,Wo die Möve dort ins Wasser streift;Des Saleve Scheitel heiß umfunkelt;Jenes Huhn, das unters Obdach läuft.

Graue Schatten wandeln, schweben, tauchenSchnell das Thal in trübe Dämmrung ein;Kräuterknospen öffnen sich, und hauchenSüßern Duft als Zeilons Spezerein.

Regen triefelt freundlich und gelindeJetzt auf Hügel, Acker, Wies’ und Feld;Und der Vögelchor im FrühlingswindeTönt im Busch, vom Zitterglanz erhellt.

Auf der Dole schwimmt ein Meer von Strahlen;Purpur färbt das öde Felsenschloß;Rosenschimmer, die den Mole mahlen,Sinken auf des Sees Spiegelschooß.

Erd’ und Himmel, Fels und Thal und Hügel,Glänzt in reiner Farbenharmonie;Die Gewässer und der Winde FlügelRauschen drein in hoher Melodie.

Schalle dann: Laut durch die Weltentöne,Edler Chor, den unser Freund erschuf;Und der Menschenstimme Zauber kröneDer Natur vereinten Freudenruf.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 8–11, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Frühlingsregen am Genfersee“, Fassung 2.333.422 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friederike Brun starb 1835; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1905 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118516051 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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