Die Lautenstimmer
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Schlummernd jüngst in WaldesraumHatt’ ich einen hübschen Traum:Etwas regt sich in der Hecke,Etwas klimpert im Verstecke.
Das Gesträuch mit leiser HandTeilt’ ich, bis das Nest ich fand:Kinder, rings im Grase sitzend,Mit den hellen Augen blitzend!
Rutschend auf dem nackten Knie,Stimmten eine Laute sie –„Sagt, was lagert ihr im Runde?Sprecht, was schaffet ihr im Bunde?“
Auf das zarte Werk erpicht,Hörten sie die Frage nicht.„Seht, wie ist sie zugerichtet!Wundgerissen! Fast vernichtet!“
Emsig ward geklopft, gespäht,An den Saiten flink gedreht,Ließen eine tiefer klingen,Ließen eine hohe springen, –
Endlich klang die Laute reinUnd die Kinder spielten fein,Bis ich aus dem Traum erwachteUnd mir seinen Sinn bedachte:
Dumpf entschlummert, jetzo hell,Ganz ein anderer Gesell!Was die Kinder ohne FehleStimmten, es war meine Seele!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 43–44, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Lautenstimmer“, Fassung 3.529.303 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.