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Versbuch

Die Schule des Silen

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

21 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1882

In der schattendunkeln Laube gab Silen, der weise, Stunde,Der ihm weich ans Knie geschmiegte Bacchus hing an seinem Munde,Lieblich lauschend.

Unter seinem krausen Barte lachte freundlich der Ergraute,Da er in das milde Feuer junger Götteraugen schaute,Dann begann er:

„Kind, betrachte dieses Antlitz, die gedankenschweren Lider!Kind, in jedem greisen Zecher ehre du die Züge wiederDeines Lehrers.

Oft, wo die Veliten wankten, jene prahlerischen Knaben,Sind es die Triarier, Liebling, die das Feld behauptet habenUnerschüttert!

Wenn auf Chios mit dem Mädchen theilt den Becher der Ephebe,Laß sie nippen, laß sie kosen – mit der vollsten Schale schwebeDu vorüber.

Lenke deine götterleichten Schritte zu Homer dem alten,Netze seine heil’gen Lippen, glätte seiner Stirne Falten,Wunderthäter!

Lös ihm jeder Erdenschwere Fessel mit der Hand, der milden,Fülle du des Blinden Auge mit unsterblichen Gebilden,Ewig schönen!“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 185., 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Schule des Silen“, Fassung 3.571.005 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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