Das Weib des Admirals
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
18 Zeilen · zuerst gedruckt 1882
Auf mondenhellem Lager wälzt ein Weib,Ein schlummerloses, sich: „O banger Pfühl!Auch du, mein sorgender Gemahl, du wachst!Wer dürfte schlafen? Horch, die Folter stöhnt …Erwürgte modern ohne Leichentuch,Sieh unser Linnen, Chatillon, wie fein!Gen Himmel schreit der Märtrer frommes Blut,Ich schreie, Herr, in deinen Armen mit!Mein Held, ich rede Zeugniß gegen dichVor Gott, entrollest du dein Banner nicht!“Sie schweigt in düstrer Glut. Er sinnt und sagt:„Erwäge, Weib, die Schrecken, die du wählst!Dies Haus in Rauch und Trümmern! Dies mein HauptVerfehmt, dem Meuchelmord gezeigt – geraubt!Entehrt dies Wappen von des Henkers Hand!Du mit den Knaben bettelnd auf der Flucht!Wählst du dir Solches? Nimm drei Tage Frist!“– „Drei Tage Frist? Sie sind vorbei. Brich auf!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 318, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Weib des Admirals“, Fassung 2.573.399 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.