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Versbuch

Berliner in Italien

Alfred Henschke · 18901928

33 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1927

Die ganze Welt ist voll von Berlinern.Deutschland, Deutschland überall in der Welt.Ich sah sie auf der Promenade in Nervi sich gegenseitig bedienern,und sie waren als Statisten beim Empfang des italienischen Königsin Mailand aufgestellt.

Da konnten sie einmal wieder aus vollem Herzen Hurra schreien.So ’n König, und sei er noch so klein, ist doch janz was anderesals so ’ne miekrige Republik.In Bellaggio wandeln sie unter Palmen und Zypressen zu zweien,und aus dem Grandhotel tönt (fabelhaft echt Italienisch;Pensionspreis täglich 200 Lire) die Jazzmusik.

Wie hübsch in Bologna die Jungens mit den schwarzen Mussolinihemden!Wie malerisch die Bettler am Kirchentor!Die und die Flöhe finden einen Fremdenaus hunderttausend Eingebornen hervor.

In Genua am Hafen aus engen mit Wäsche verhangenen Gassen winkenschwarzäugige Mädchen und sind bereit,gegen entsprechendes Honorar sich abzuschminken.O du fröhliche, o du selige Frühlingszeit.

Dagegen das Kolosseum, die ollen Klamotten, die verstaubten Geschichten,das haben wir zu Hause auf halb bebautem Gelände auch, nu jewiß.Den schiefen Turm von Pisa sollten sie mal jrade richten.Mussolini hat dazu den nötigen Schmiß.

Über diesem Lande schweben egal weg die Musen,man sehe sich die Brera und die Uffizien an.Die mageren Weiber von Botticelli kann ich nich verknusen,aber Rubens, des is mein Mann.

Wohin man sieht, spuckt einer oder verrichtet sonst eine Notdurft:es ist ein echt volkstümliches Treiben.Prächtig dies Monomuent Vittorio Emmanueles in Rom: goldbronziertund die Säulenhalle aus weißem Gips.Dafür kann mir das ganze Forum jestohlen bleiben.Ich bin modern. A proposito: haben Sie für Karlshorst sichere Tips?

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 6–7, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Berliner in Italien“, Fassung 3.778.913 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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