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Versbuch

Berliner Mittelstandsbegräbnis

Alfred Henschke · 18901928

15 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1927

In einer Margarinekiste habe ich sie begraben.Ein Leihsarg war nicht mehr zu haben.Die Kosten für einen Begräbnisplatz konnt ich nicht erschwingen:Ich mußte die Margarinekiste mit der teueren Entschlafenenauf einem Handwagen in die Laubenkolonieam schlesischen Bahnhof bringen.

Dort habe ich sie in stockfinsterer Nachtunter Kohlrüben zur ewigen Ruhe gebracht.Aber im Frühling werden aus der Erde Kohlrüben,die sie mit ihrem Leibe gedüngt,zum himmlischen Lichte sprießen,und der Hilfsweichensteller Kraschunke wird sie zum Nachtmahl genießen.Während sie noch in der Pfanne (in Margarine-Ersatz) schmoren und braten,bemerkt Frau Kraschunke erfreut: „Die Kohlrüben sind dieses Jahraber ungewöhnlich groß geraten...“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Harfenjule S. 5, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
Digitalisat
de.wikisource.org — „Berliner Mittelstandsbegräbnis“, Fassung 3.778.938 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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