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Versbuch

Anlass

Gedichte zum Vatertag: neun Texte im Bestand

Zum Vatertag stehen in dieser Sammlung neun Gedichte von sieben Verfassern. Der kürzeste Text hat sieben Zeilen, der längste 186 – nur drei bleiben unter dreizehn Zeilen und passen damit ungekürzt auf eine Karte. Zu jedem Gedicht stehen Verfasser, Zeilenzahl und die Druckausgabe dabei, aus der die Fassung stammt.

9 Gedichte von 7 Verfasserinnen und Verfassern · davon 3 mit höchstens 12 Zeilen

Alle Gedichte: Vatertag

Zuerst die Gedichte, die das Stichwort schon im Titel tragen, danach die kürzeren vor den längeren. Jede Zeilenzahl ist gezählt.

Dieselben Gedichte, anders sortiert

Die häufigste Frage vor der Auswahl ist die Länge. Jede Untergruppe nennt die Regel, nach der sie gebildet ist — gezählt, belegt oder aus unserer eigenen Ordnung.

Kurz genug für eine Karte (3)

Höchstens zwölf Zeilen. Gezählt, nicht geschätzt.

Lang genug zum Vorlesen (4)

Dreizehn bis vierzig Zeilen — etwa ein bis drei Minuten laut gelesen. Gezählt.

Aus dem 19. Jahrhundert und davor (4)

Der Verfasser starb vor 1900. Das Sterbejahr ist aus dem GND-Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek belegt.

Aus dem 20. Jahrhundert (5)

Der Verfasser starb 1900 oder später. Ebenfalls aus dem GND-Datensatz belegt.

Was diese neun Vatergedichte unterscheidet

Neun Gedichte sind ein kleiner Bestand, und er verteilt sich ungleich. Wilhelm Busch und Joachim Ringelnatz stehen mit je zwei Texten darin, Otto Ernst, Christian Fürchtegott Gellert, Georg Friedrich Daumer, Louise Otto-Peters und Gustav Schwab mit je einem. Der kürzeste Text hat sieben Zeilen, der längste 186; dazwischen bleibt die Auswahl schmal. Wer den heiteren Vierzeiler sucht, wie ihn Buchhandlungen im Mai stapeln, wird hier nicht fündig. Was vorhanden ist, fällt älter aus, sperriger, und in mehreren Fällen ernster, als das Datum des Anlasses vermuten lässt.

Drei Texte bleiben bei höchstens zwölf Zeilen. Der kürzeste ist Wilhelm Buschs „Ich habe von einem Vater gelesen“ mit sieben Zeilen, er beginnt „Die Tochter ist beim Theater gewesen.“ Otto Ernsts „Vater Harlekin“ von 1907 hat acht Zeilen und setzt mit einer Frage ein: „Warum ich tanz’ vor meinem Sohn und singe“. Joachim Ringelnatz’ „Gedenken an meinen Vater“ von 1932 kommt auf zwölf Zeilen und fängt an mit „Warum ich tief Atem hole?“. Diese drei sind die einzigen, die vollständig in eine Klappkarte passen. Bei den beiden Busch-Texten ist das Druckjahr als [1960] in eckigen Klammern notiert; wer zitiert, übernimmt die Klammern besser mit.

Zwei Gedichte haben sechzehn Zeilen und liegen im Ton weit auseinander. Gellerts „Der sterbende Vater“ von 1769 beginnt „Ein Vater hinterließ zween Erben,“. Titel und erste Zeile nennen Sterben und Erbe; für einen fröhlichen Maiausflug ist dieser Text erkennbar nicht gemacht. Ringelnatz’ „An meinen längst verstorbenen Vater“ von 1932 richtet sich, wie der Titel sagt, an einen Toten, und die erste Zeile lautet „Ach steh noch einmal auf ins Leben,“. Für eine Gedenkfeier oder für einen Brief an Geschwister kann das der richtige Text sein. Auf einer Glückwunschkarte steht er falsch.

Darüber wird es länger. Buschs zweiter Text, „Ach, wie geht’s dem Heilgen Vater“, hat 23 Zeilen und beginnt „Groß und schwer sind seine Lasten,“. Der Titel spricht vom „Heilgen Vater“ – wer eine Karte für den eigenen Vater sucht, sollte ihn vor dem Abschreiben ganz lesen. Georg Friedrich Daumers „Wir, Vater Schemseddin und seine Kinder“ von 1846 zählt 26 Zeilen. Als erste erfasste Zeile steht dort „CCXIV.“, also die Nummer, die der Text in seiner Druckvorlage trägt. Solche Zählungen gehören zur Ausgabe und nicht zum Gedicht; beim Abschreiben lässt man sie weg.

Zwei Texte fallen aus jedem Kartenformat heraus. Louise Otto-Peters’ „Dem Vater Jahn“ von 1893 hat 57 Zeilen, und auch hier ist die erste erfasste Zeile keine Verszeile, sondern die Jahresangabe „1844.“ aus der Vorlage. Gustav Schwabs „Nikodemus Frischlin’s Vater“ von 1828 ist mit 186 Zeilen der längste Text dieses Anlasses; er beginnt „Es wachsen Dichter viel in Schwaben:“. Laut gelesen braucht eine Ballade dieser Länge deutlich mehr als fünf Minuten. Sie eignet sich für einen Abend, an dem jemand vorliest, nicht für ein paar Sätze zwischen Kaffee und Kuchen.

Für die Auswahl hilft eine schlichte Rechnung. Vier bis zwölf Zeilen passen auf eine Karte, bis etwa vierzig Zeilen trägt eine kurze Ansprache, alles darüber will vorgelesen und nicht zitiert werden. Wenn nur eine Strophe passt, nimmt man die Strophe – und schreibt dazu, dass es eine ist. Ein Zusatz wie „Erste Strophe aus …“ kostet eine Zeile und verhindert, dass jemand das Zitat für das ganze Gedicht hält. Geschnitten wird am Strophenende, nie mitten im Satz.

Alle neun Texte sind gemeinfrei. Das heißt: abschreiben, drucken, in ein Programmheft setzen, vertonen, auf Karten verkaufen – ohne jemanden zu fragen und ohne zu zahlen. Erloschen ist das Urheberrecht des Verfassers, siebzig volle Kalenderjahre nach seinem Tod. Nicht erloschen ist das Recht an einer Übersetzung oder an einer neueren Bearbeitung: Wer eine fremde Übertragung oder eine bearbeitete Fassung übernimmt, braucht dafür wieder eine Erlaubnis (§ 3 UrhG). Für die hier gezeigten Fassungen ist jeweils angegeben, aus welcher Druckausgabe sie stammen.

Eine Quellenangabe ist bei gemeinfreien Texten keine Pflicht mehr, aber sie gehört zum guten Handwerk – und in einer Rede oder einem Programmheft beantwortet sie im Voraus die Frage, die sonst jemand stellt. Eine brauchbare Form nennt Verfasser, Titel und Druckjahr: Otto Ernst, „Vater Harlekin“, 1907. Wer genauer sein will, ergänzt die Ausgabe, aus der die Fassung stammt; sie steht bei jedem Gedicht dieser Sammlung dabei. Bei einer gekürzten Fassung gehört der Hinweis auf die Kürzung in dieselbe Zeile.

Was in diesen Texten wie ein Tippfehler aussieht, ist meist keiner. „Zween Erben“ bei Gellert ist die alte männliche Zahlform, im 18. Jahrhundert noch geläufig. Der Apostroph in „tanz’“ bei Otto Ernst markiert das weggelassene e von „tanze“; das ist Versmaß, nicht Nachlässigkeit. „Heilgen“ statt „Heiligen“ bei Busch folgt derselben Logik. Beim Abschreiben lässt man solche Formen stehen. Wer sie modernisiert, verändert den Rhythmus – und handelt sich genau die Rückfrage ein, die man auf einer Karte nicht beantworten möchte.