Ich weiß ein Märchen hübsch und tief
Wilhelm Busch · 1832–1908
37 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Ein Hirtenknabe lag und schlief.Da sprang heraus aus seinem MundEin Mäuslein auf den Heidegrund.Das weiße Mäuslein lief sogleichNach einem Pferdeschädel bleich,Der da schon manchen lieben TagIn Sonnenschein und Regen lag.Husch! ist das kleine Mäuslein drin,Läuft hin und her und her und hin,Besieht sich all die leeren Fächer,Schaut listig durch die AugenlöcherUnd raschelt so die Kreuz und QuerIm alten Pferdekopf umher. –
Auf einmal kommt ‘ne alte Kuh,Stellt sich da hin und macht Hamuh!Das Mäuslein, welches sehr erschreckt,Daß da auf einmal wer so blökt,Springt, hutschi, übern HeidegrundUnd wieder in des Knaben Mund. –
Der Knab erwacht und seufzte: Oh,Wie war ich doch im Traum so froh!Ich ging in einen Wald hinaus,Da kam ich vor ein hohes Haus,Das war ein Schloß von Marmelstein.Ich ging in dieses Schloß hinein.Im Schloß sah ich ein Mädchen stehn,Das war Prinzessin Wunderschön.Sie lächelt freundlich und bekannt,Sie reicht mir ihre weiße Hand,Sie spricht: „Schau her, ich habe Geld,Und mir gehört die halbe Welt;Ich liebe dich nur ganz allein,Du sollst mein Herr und König sein.“Und wie ich fall in ihren Schoß,Ratuh! kommt ein Trompetenstoß.Und weg ist Liebchen, Schloß und allesInfolge des Trompetenschalles.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kritik des Herzens. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 2, S. 525, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ich weiß ein Märchen hübsch und tief“, Fassung 3.779.514 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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