Es hatt’ ein Müller eine Mühl
Wilhelm Busch · 1832–1908
35 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
An einem Wasser kühle;Da kamen hübscher Mädchen vielZu mahlen in der Mühle.
Ein armes Mädel war darunt,Zählt sechzehn Jahre eben;Allwo es ging, allwo es stund,Der Müller stund daneben.
Er schenkt ein Ringlein ihr von Gold,Daß er in allen EhrenSie ewig immer lieben wollt;Da ließ sie sich betören.
Der Müller, der war falsch von Sinn:„Wenn ich mich tu vermählen,So will ich mir als MüllerinWohl eine Reiche wählen.“
Da ‘s arme Mädel das vernahm,Wird‘s blaß und immer blasserUnd red‘t nit mehr und ging und kamUnd sprang ins tiefe Wasser. –
Der Müller kümmert sich nicht viel,Tät Hochzeitleut bestellenUnd fährt mit Sang und Saitenspiel’ne andre zur Kapellen.
Doch als man auf die Brücke kam,Fängt ‘s Wasser an zu wogenUnd zischt und rauscht verwundersamHerauf bis an den Bogen.
Die weiße Wassernixe standAuf schaumgekrönter Welle;Sie hält in ihrer weißen HandVon Gold ein Ringlein helle.
Du Falscher, deine Zeit ist aus!Bereite dich geschwinde!Dich ruft hinab ins kalte HausDie Mutter mit dem Kinde.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kritik des Herzens. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 2, S. 518, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Es hatt’ ein Müller eine Mühl“, Fassung 3.779.700 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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