Der Wiedergänger
Wilhelm Busch · 1832–1908
36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Es fand der geizige Bauer KniepIm Grabe keine Ruhe.Die Sehnsucht nach dem Gelde triebIhn wieder zu seiner Truhe.
Die Erben wollten diesen GastIm Haus durchaus nicht haben,Weil ihnen der Verkehr verhaßtMit einem, der schon begraben.
Sie dachten, vor Drudenfuß und KreuzErgebenst verschwinden sollt er.Er aber vollführte seinerseitsNur um so mehr Gepolter.
Zum Glück kam grade zugereistEin Meister, der vieles erkundet.Der hat gar schlau den bösen GeistIn einem Faß verspundet.
Man fuhr es bequem, als wär es leer,Bis an ein fließend Gewässer.Da plötzlich macht sich Kniep so schwerWie zehn gefüllte Fässer.
Gottlieb, der Kutscher, wundert sich.Nach rückwärts blickt er schnelle.Wumm, knallt der Spund. Der Geist entwichUnd spukt an der alten Stelle.
Wie sonst besucht er jede NachtDie eisenbeschlagene KisteUnd rumpelt, hustet, niest und lacht,Als ob er von nichts was wüßte.
Kein Mittel erwies sich als probat.Der Geist ward nur erboster.Man trug, es blieb kein andrer Rat,Den Kasten zum nächsten Kloster.
Der Pförtner sprach: Willkommen im Stift,Und herzlich guten Morgen.Was Geld und böse Geister betrifft,Das wollen wir schon besorgen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 321-322, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Wiedergänger“, Fassung 3.779.569 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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