Der Narr
Wilhelm Busch · 1832–1908
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Er war nicht unbegabt. Die GeisteskräfteGenügten für die laufenden Geschäfte.Nur hat er die Marotte,Er sei der Papst. Dies sagt er oft und gernFür jedermann zum Ärgernis und Spotte,Bis sie zuletzt ins Narrenhaus ihn sperrn.
Ein guter Freund, der ihn daselbst besuchte,Fand ihn höchst aufgeregt. Er fluchte:Zum Kuckuck, das ist doch zu dumm.Ich soll ein Narr sein und weiß nicht warum.
Ja, sprach der Freund, so sind die Leute.Man hat an einem Papst genug.Du bist der zweite.Das eben kann man nicht vertragen.Hör zu, ich will dir mal was sagen:Wer schweigt, ist klug.
Der Narr verstummt, als ob er überlege.Der gute Freund ging leise seiner Wege.
Und schau, nach vierzehn Tagen gradeDa traf er ihn schon auf der Promenade.
Ei, rief der Freund, wo kommst du her?Bist du denn jetzt der Papst nicht mehr?
Freund, sprach der Narr und lächelt schlau,Du scheinst zur Neugier sehr geneigt.Das, was wir sind, weiß ich genau.Wir alle haben unsern Sparren,Doch sagen tun es nur die Narren.Der Weise schweigt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 309, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Narr“, Fassung 3.779.215 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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