Der Ruhm
Wilhelm Busch · 1832–1908
32 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Der Ruhm, wie alle Schwindelware,Hält selten über tausend Jahre.Zumeist vergeht schon etwas eh’rDie Haltbarkeit und die Kulör.
Ein Schmetterling voll Eleganz,Genannt der Ritter Schwalbenschwanz,Ein Exemplar von erster Güte,Begrüßte jede DoldenblüteUnd holte hier und holte daSich Nektar und Ambrosia.
Mitunter macht er sich auch breitIn seiner ganzen HerrlichkeitUnd zeigt den Leuten seine OrdenUnd ist mit Recht berühmt geworden.
Die jungen Mädchen fanden diesEntzückend, goldig, reizend, süß.
Vergeblich schwenkten ihre MützenDie Knaben, um ihn zu besitzen.
Sogar der Spatz hat zugeschnapptUnd hätt ihn um ein Haar gehabt.
Jetzt aber naht sich ein Student,Der seine Winkelzüge kennt.
In einem Netz mit engen MaschenTät er den Flüchtigen erhaschen,Und da derselbe ohne Tadel,Spießt er ihn auf die heiße Nadel.
So kam er unter Glas und RahmenMit Datum, Jahreszahl und NamenUnd bleibt berühmt und unvergessen,Bis ihn zuletzt die Motten fressen.
Man möchte weinen, wenn man sieht,Daß dies das Ende von dem Lied.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 301-302, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Ruhm“, Fassung 3.779.298 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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