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Versbuch

Wangeline von Burgsdorf

Theodor Fontane · 18191898

36 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1905

oderDie weiße Frau.(Fragment.)

Das ist die Sage: und will GefahrDie Hohenzollern umgarnen,Da wird lebendig ein alter Fluch,Die weiße Frau im SchleiertuchZeigt sich, um zu warnen.

Sie kommt dreimal, geht um dreimal,Zögernder immer und trüber,Die Wache ruft ihr Halt-Werda nicht mehr,Sie weiß, den Gast schreckt kein Gewehr; –Der Schatten schreitet vorüber.

* * *

Die Lichter verglühn, im Schloß wird’s still,Nur Eine, die sich noch schmücken will,Sie tritt an den Spiegel und löst ihr Haar,Wangeline die schöne, wie schön sie war.

Sie schmückt sich; für wen? für ihren Galan:Kurt Jagow hat es ihr angethan;Sie sahen sich viel, sie küßten sich oft,Wird heut er kommen; sie harrt, sie hofft.

Sie hofft, und wirft mit schimmernder HandIhr schwarzes Haar über’s weiße Gewand,Sie flüstert: „Ich lieb ihn mit Seel und Leib,Was soll mich kümmern sein gramblaß Weib.

„Und ob ihr bräche das Herz in der Brust,Je blasser die Todte, je röther die Lust,Feigherzig Gewissen, fahr hin, fahr hin,Es brennt mein Blut und es schwindelt mein Sinn.“

Sie spricht es. Da sieh, hellblendender ScheinFällt von der Thür in den Spiegel hinein;Sie wendet sich um, aufschreit sie jäh –Eintrat Kurfürstin Dorothee.

Die zittert selbst. In bebender HandMitbebt die Kerze, halbniedergebrannt …

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 253–254, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wangeline von Burgsdorf (Fontane)“, Fassung 1.654.092 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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