Duldsam
Wilhelm Busch · 1832–1908
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Des Morgens früh, sobald ich mirMein Pfeifchen angezündet,Geh ich hinaus zur Hintertür,Die in den Garten mündet.
Besonders gern betracht ich dannDie Rosen, die so niedlich;Die Blattlaus sitzt und saugt daranSo grün, so still, so friedlich.
Und doch wird sie, so still sie ist,Der Grausamkeit zur Beute;Der Schwebefliegen Larve frißtSie auf bis auf die Häute.
Schluppwespchen flink und klimperklein,So sehr die Laus sich sträube,Sie legen doch ihr Ei hineinNoch bei lebendgem Leibe.
Sie aber sorgt nicht nur mit FleißDurch Eier für Vermehrung,Sie kriegt auch Junge hundertweisAls weitere Bescherung.
Sie nährt sich an dem jungen SchaftDer Rosen, eh sie welken;Ameisen kommen, ihr den SaftSanft streichelnd abzumelken.
So seh ich in BetriebsamkeitDas hübsche UngezieferUnd rauche während dieser ZeitMein Pfeifchen tief und tiefer.
Daß keine Rose ohne Dorn,Bringt mich nicht aus dem Häuschen.Auch sag ich ohne jeden Zorn:Kein Röslein ohne Läuschen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 305-306, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Duldsam“, Fassung 3.778.884 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.