Der Kranich
Theodor Fontane · 1819–1898
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Rauh ging der Wind, der Regen troff,Schon war ich naß und kalt;Ich macht’ auf einem BauerhofIm Schutz des Zaunes Halt.
Mit abgestutzten Flügeln schrittEin Kranich drin umher,Nur seine Sehnsucht trug ihn mitDen Brüdern über’s Meer;
Mit seinen Brüdern, deren ZugJetzt hoch in Lüften stockt,Und deren Schrei auch ihn zum FlugIn fernen Süden lockt.
Und sieh, er hat sich aufgerafft,Es gilt erneutes Glück;Umsonst, der Schwinge fehlt die KraftUnd ach, er sinkt zurück.
Und Huhn und Hahn und Hühnchen auchUmgackern ihn voll Freud’; –Das ist so alter Hühner-BrauchBei eines Kranichs Leid.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 10, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Kranich (Fontane, 1905)“, Fassung 1.661.118 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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