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Versbuch

Balaklawa

Theodor Fontane · 18191898

62 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Der Angriff der Leichten Brigade. 25. Oktober 1854.(Frei nach Alfred Tennyson.)

„Eine halbe Meil, eine halbe Meil,Auf Sattel und Schabracke,Vor, in Sturmeseil,Vor, zur Attacke.Zählt nicht der Kannonen Zahl,Hinein, hinein ins Todesthal …“(Alle hören’s verwundert)„Vorwärts, Leichte Brigade, vor“ –Und hinein ins Feuer- und HöllenthorReiten die Sechshundert.

Leichte Brigade, der SiegespreisIst heute hoch, ist heute heiß,Aber kein Murren, nicht laut nicht leis,Keines, obwohlen ein jeder weiß,’s ward irgendwo geblundert,Vorwärts; sie fragen und zagen nicht,Vorwärts; sie wanken und schwanken nicht,Vorwärts; gehorchen ist einzige Pflicht,Ins Todesthal,In voller Zahl,Reiten die Sechshundert.

Vorwärts! Kanonen rechts und links,Kanonen in Front, gewärtig des Winks,Selbst die Feinde sehen’s verwundert.Shrapnel und Kartätschenschuß,Todesgruß und Todeskuß,Falle was da fallen muß,In den Höllenrachen, ins TodesthalNoch voll in Zahl,Reiten die Sechshundert.

Säbel heraus. Die Klingen feinBlinken und blitzen im Sonnenschein,Und die Leichte Brigade, nun ist sie hinein,Fast über sich selber verwundert;Ihre Säbel, in Rauch und Pulverqualm,Singen manch einem den letzten Psalm,Aber endlich, aus Qualm und RauchUnd ermattet bis auf den letzten Hauch,Abgejagt und abgehetzt,Müssen sie rückwärts, rückwärts jetzt, –Nicht mehr Sechshundert.

Kanonen rechts, Kanonen links,Kanonen im Rücken gewärtig des Winks;Verdoppelt jetzt Salv’ um Salve kracht,Rückwärts, rückwärts wogt die Schlacht,Und wen es aus dem Sattel schoß,Den Reiter zertritt sein eigen Roß,Das Fahnentuch mit flatterndem BandGeht schon in dritt’ und vierte Hand,Ist zerschossen und zerzundert,Der Tod mäht rascher von Schritt zu Schritt,Leichte Brigade was bringst Du noch mit?Dein Siegesritt war ein Todesritt,Ein Todesritt der Sechshundert.

Wird je verblassen Euer Ruhm?Nimmer. Ihr strahlt in Heldenthum,Und die Welt, sie staunt und wundert.Hoch unsre Balaklawa-Schlacht,Und die Leichte Brigade, die’s gemacht,Hoch die Sechshundert.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 198–200, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Balaklawa“, Fassung 1.760.939 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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