Bekenntniß
Theodor Fontane · 1819–1898
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Ich bin ein unglückselig Rohr:Gefühle und GedankenSeh rechts und links, zurück und vor,In jedem Wind, ich schwanken.
Da liegt nichts zwischen Sein und Tod,Was ich nicht schon erflehte:Heut bitt’ ich um des Glaubens Brod,Daß morgen ich’s zertrete;
Bald ist’s im Herzen kirchenstill,Bald schäumt’s wie Saft der Reben,Ich weiß nicht, was ich soll und will; –Es ist ein kläglich Leben!
Dich ruf ich, der das Kleinste DuIn Deinen Schutz genommen,Gönn meinem Herzen Halt und Ruh,Gott, laß mich nicht verkommen;
Leih mir die Kraft, die mir gebricht,Nimm weg, was mich verwirret,Sonst lösch es aus dies Flackerlicht,Das über Sümpfe irret!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 11, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Bekenntniß (Fontane, 1905)“, Fassung 1.560.286 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.