Bekenntniß
Theodor Fontane · 1819–1898
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1851
Ich bin ein unglückselig Rohr:Gefühle und GedankenSeh rechts und links, zurück und vor,In jedem Wind, ich schwanken.Bald ist’s im Herzen kirchenstill,Bald schäumt’s wie Saft der Reben,Ich weiß nicht, was ich soll und will; –Es ist ein kläglich Leben!
Da liegt nichts zwischen Sein und Tod,Was ich nicht schon erflehte:Heut bitt’ ich um des Glaubens Brod,Daß morgen ich’s zertrete;Was heut ich segne, segn’ ich nicht,Ich werde sein Verflucher,Nach Wahrheit ring’ ich und nach Licht,Und schelt es dann – Versucher.
Dich ruf’ ich, der das Kleinste Du,In Deinen Schutz genommen,Gönn meinem Herzen Halt und Ruh,Gott, laß mich nicht verkommen;Leih mir die Kraft, die mir gebricht,Nimm weg, was mich verwirret,Sonst lösch es aus dies Flackerlicht,Das über Sümpfe irret!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 32–33, 1. Auflage, Carl Reimarus’ Verlag. W. Ernst., Berlin, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Bekenntniß“, Fassung 3.027.184 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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