„Kein Meister ist vom Himmel noch gefallen!“
Rudolf Lavant · 1844–1915
25 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1884
Das erste Schloß, das er allein gemacht,Das er „gebaut“ in mühevollen Stunden,Er hat’s dem Meister endlich überbracht,Das Maß erlangten Könnens zu bekunden.Der Alte nahm’s, bedächtig, ohne Wort,Er schaut es prüfend an von allen Seiten,Indessen Furcht und Hoffnung fort und fortIm jungen Herzen um die Palme streiten.
In diesen Augen forschend, klar und grauSucht er sein Urteil im Voraus zu lesen;Er weiß es ja, der Meister nimmt’s genau,Und streng im Urteil ist er stets gewesen.Doch lange währt’s, bis er sich offenbart ―An einem Schloß ist vielerlei zu sehen;Er brummt und murmelt in den busch’gen Bart ―Wer aber will ein Wort davon verstehen?
Doch sei getrost, mein Junge! Fasse Mut!Er wirft dein Probestück nicht zu den schlechten;Er sagt gewiß: „Im Allgemeinen gut!Nur da und dort fehlt’s noch am Schick, am rechten.Das wird schon noch und Mühe führt an’s Ziel.Nicht nur von einem Stand, es gilt von allen:Was Mühsal war, wird nach und nach zum Spiel ―Kein Meister ist vom Himmel noch gefallen!“Rudolf Lavant.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- off, Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission), Leipzig, 1884
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kein Meister ist vom Himmel noch gefallen“, Fassung 3.016.376 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.