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Versbuch

Aenne unbolidsche Fawel

Rudolf Lavant · 18441915

41 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 14. Juni 1902

's war ärgendwo in deidschen Reiche,Wo alles ehrlich is un echd,In än geheergen GardendeicheAemal ä dichdger forscher Hechd.Der had das Gardenvolk, das faule,Nadierlich merderlich geblagdUn es mit zahnbewehrden MauleIn gansen Deiche 'rumgejagd.

De fedden Garben had nu freilichDe ew'ge Drängelei verschdimmd;Se fanden so was gans abscheilich,Was schließlich geenen Wunder nimmd.Es wurden färchderlich verdrießlichDe gugelrunden Garben allUn ä bemooster meende schließlich:„Der Hechd muß 'naus — uff jeden Fall!"

Es is ooch wärglich geene Sache,Ward mer so egal rumgehetzd,Drum schwor das Garbenvelkchen RacheDen ew'gen Schdeerenfried zerletzd,Un als der Hechd ins Netz dann schbäderGeried, verlangdense beschdimmd:„Daß dieser alde IweldäderNur ja nich widder bei uns gimmd!"

In än besonderen BassengeHad nachher mer den Hechd verwahrd;Da drinne war Sie's sehre enge,Was mid Entristung er gewahrd.De Garben gladschden midden SchwanseUn ihre Freede, die war groß —Se warn je nu mid allen GlanseDen ahlen Drängelfrieden los.

Aus seinem Loche ward der ArmeZwar widder 'rausgelassen jetzd,Doch werd, zum Drost den Garbenschwarme,Er nich in Deich zurickversetzd.Nu gullern widder 'rum in SchlammeSich alle Garben, quiedschvergniegd,Indeß der Hechd, der rasche, schdramme,Sich in än andern Deich verfiegd.Fritzchen Mrweessesnich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
off, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, 14. Juni 1902
Digitalisat
de.wikisource.org — „Aenne unbolidsche Fawel“, Fassung 3.649.776 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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