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Versbuch

Die Straßenschlacht in Moskau

Rudolf Lavant · 18441915

42 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1965

„Wo kommst du her in dem roten KleidUnd färbst den Schnee auf dem weiten Plan?"„Ich komm aus blutigem Männerstreit,Ich komme rot von der Ehrenbahn;Wir haben die blutige Schlacht geschlagen,Drob müssen die Mütter und Bräute klagen,Da ward ich so rot."

„Sag an, Gesell, und verkünde mir,Wie heißt das Land, wo ihr schlugt die Schlacht?"„Das Mütterchen Moskau ward Mordrevier,Das manches Auge voll Tränen macht:Da flogen die Kugeln wie Winterflocken,Und Tausenden mußte der Atem stockenIn Moskau, der Stadt."

„Wie hießen, die willig geopfert den Leib,Als die roten Fahnen gerauscht im Wind?"„Es stritten heroisch Mann und Weib,Es schleuderte Bomben selbst das Kind.Die Männer der Arbeit mit trotzigen ZügenUnd sie, die mit Hirn und mit Feder pflügen,Die zogen all aus."

„Und siegte zuletzt des Tyrannen Macht,Und zwang er aufs Knie der Empörer Reihn?"„Acht Tage tobte die Straßenschlacht,Dann schlief der Kampf vor Erschöpfung ein,Und was sich verzog aus dem Pulverdampfe,Das rüstete nur zu erneutem Kampfe,In finstrem Trotz."

„O, das tut wohl! Habe Dank, Gesell!Das war ein Klang, der das Herz erfreut!Das klang wie Fanfarengeschmetter hell!Hab Dank der Mär von dem blut'gen Streit!Laß Witwen und Bräute die Toten beklagen,Wir singen wohl noch in spätesten TagenDie Moskauer Schlacht."

O Moskau, uralte Zarenstadt,Dir ward ein leuchtendes Ehrenmal;So lange rollet der Jahre Rad,So lange scheinet der Sonne Strahl,So lange die Ströme zum Meere reisen,Wird noch der späteste Enkel preisenDie Moskauer Schlacht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Straßenschlacht in Moskau“, Fassung 3.577.266 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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