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Versbuch

An die Frauen

Rudolf Lavant · 18441915

24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1965

Ging es nach jenen, die der Freiheit SpurVon je verfolgt mit Stangen und mit Spießen,So müßte sich die weibliche NaturDem heißen Hauch, dem Drang der Zeit verschließen,So dürfte auch das „sittige" Geschlecht,Dem gern des Hauses „stille Welt" sie lassen,Um keinen Preis sich mit dem Kampf ums RechtUnd mit dem Sturm, der ringsum weht, befassen.

Sie wissen wohl, es wächst der Männer Mut,Die Not des Zustands, den man schlau erklügelt,wenn der Begeistrung wunderbare GlutAus Frauenaugen blitzt, die Frau beflügelt;Wenn mit dem Mann, nicht gegen ihn sie sinntIn dem gewalt'gen, schicksalsschweren StreiteUnd wenn dem Ernst der Zeit sie abgewinntNach heit'rer Frauenart die lust'ge Seite.

Und viel ist lustig, viel ist lächerlichAn dem Koloß, mit dem die Männer ringen;Sie nehmen alles leicht zu feierlich,Zu ernst und schwer an den verhaßten Dingen.Da springe scherzend die Genossin einMit ihrem Scharfblick, den wir nie erreichen,Und lust'ge Schalkheit soll ihr Helfer sein,Dem Mann die Falten von der Stirn zu streichen!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
Digitalisat
de.wikisource.org — „An die Frauen“, Fassung 3.492.473 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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