Im Nebel
Paul Haller · 1882–1920
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1922
Fern im Hinterland wohnt die Unendlichkeit.Ihrem Zaun entsprungen wandr’ ich fleißigJahre schon auf dieser grünen Erde,Such mir eine Hütte, drin zu wohnen.
Einsamkeit umwallt die scheuen Füße,Die ich zögernd in den Nebel setze.Nebel hinten – wo entsprang mein Wandern?Neben vorn – wo endet meine Straße?
Einer Glocke Schwingen schwebt herüber,Einer einz’gen. Doch die HarmonienSingen hoch und tiefer in den Lüften.Glocke, sag mir doch, wo magst du bangen?
Lehnt an deinen Turm mit Wein umsponnenGrün das Haus, der mild gepflegte Garten?Steht die Bank am Tisch, mich zu empfangen?Ruht schon die Ersehnte in der Türe?
Rascher jagen Bäume gleich ArmeenDrohender Krieger jetzt im Feld vorüber,Suchen mich vom rechten Pfad zu scheuchen.Aber munter folg ich stets der Glocke.
Tastend durch die grauen EinsamkeitenSuch ich rüstig, wo das Tal sich lichtet;Fern den Menschen, nur mir selber nahe,Doch den lieben Glockenton im Herzen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 28, H. R. Sauerländer & Co., Aarau, 1922
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Im Nebel“, Fassung 876.488 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Paul Haller starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119041952 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.