Zum Inhalt springen
Versbuch

Nordwind im Sommer

Paul Boldt · 18851921

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1914

Vom Meere duftend fliegt der Wind ins Land.Die dunklen Parke flattern in der Brise.Kleehügel blühen vor dem Duft der Wiese;Der Himmel steht, sich selber unbekannt,

Ein weißer Fischer in den Roggenmeeren,Wo Taubenflug aufspritzt, ein Wasserstrahl,Wo Wolkenschatten rinnen in das Tal,Fliegende Fische sind — die Roggenähren.

Der Weißklee schmeißt den Junitag zur Seite,Und manchmal fliegen Reiher um den stummen,Fischlosen See, auf dem die Bienen summen,Und nehmen zögernd ihren Flug ins Weite.

Ich galoppiere vor dem Sonnenschein,Auf weißem Pferde flatternd, Wind geworden,Und Sonnenfetzen um den Hals, nach Norden.Ich werde mittags an dem Meere sein.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Junge Pferde! Junge Pferde! S. 11, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1914
Digitalisat
de.wikisource.org — „Nordwind im Sommer“, Fassung 1.103.872 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Paul Boldt starb 1921; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1991 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118661175 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Paul Boldt

Alle Gedichte von Paul Boldt ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.