Man sagt: es beb’ von ungesproch’nen Worten
Marie Eugenie Delle Grazie · 1864–1931
17 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1892
2.
Man sagt: es beb’ von ungesproch'nen WortenGereizter, denn von anderen die Luft,Man sagt: es hafte an gewissen OrtenEin räthselhafter Zauber oder Duft,Der ahnungsvoll den Busen uns beenge,Verrätherisch die Sinne uns entfach’Und heiß das Blut nach uns’ren Schläfen dränge –Man sagt’s in meiner fernen Heimat – ach!Und hier lernt’ ich’s in schwüler Stund’ verstehen!Hier bebte so erregt um mich die Luft,Laut ging mein Herz und durch den Sinn mir wehenFühlt’ ich’s, betäubend, wie Narzissenduft!Nach Worten rang auch ich – doch ungesprochenErstarb, was heiß mir auf die Lippen trat,Und von verwelkten Blumen hat’s gerochenSeitdem aus meinem ganzen Lebenspfad!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Italische Vignetten, S. 73, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1892
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Man sagt: es beb’ von ungesproch’nen Worten“, Fassung 1.425.737 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Marie Eugenie Delle Grazie starb 1931; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2001 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118746278 der Deutschen Nationalbibliothek.
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