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Versbuch

Zur Kriegserklärung 1870

Louise Otto-Peters · 18191895

44 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1893

Schon in der Jugend MorgentagenFühlt ich mich als ein Kind der ZeitUnd ihrem Hoffen, ihren FragenWar stets mein Wort, mein Lied geweiht.

Mein ganzes Herz, mein ganzes LebenWar nur erfüllt von einem Ziel:Mich an mein Volk dahin zu geben,Welch’ Schicksalslos mir sonst auch fiel.

Schon als dies Volk noch harmlos träumte,Noch still in Ketten lag und schlief –Als Morgenrot den Himmel säumteUnd Lerchenlied nach Freiheit rief: –

Da rief ich mit und rief so langeBis daß er kam, der Freiheit Tag –Doch nicht zertreten ward die Schlange,Die zuckend nur zu Boden lag.

In einer Zeit voll Schmach und Leiden,Die für uns all’ verhängnisvoll,Zu Harfenspiel an TrauerweidenDoch noch mein tröstend Lied erscholl!

Und nun, da Deutschland sich erhoben,Ein einig Volk zum Kampf ersteht,Die deutschen Klingen zu erprobenDem Feinde stolz entgegengeht,

Dem Feind, vom zitternden TyrannenZu einem frechen Krieg gehetzt,Der, um die Freiheit neu zu bannenSogar das Völkerrecht verletzt:

Nun gilt es Schlachtenlieder singenDem deutschen Vaterland geweiht,Nun gilt’s, die deutschen Fahnen schwingenIm Dienst der neuen, bessern Zeit.

O, daß sie endlich, endlich nahteUnd sei sie auch mit Blut getauft,Die Freiheit wird auf keinem PfadeZu teuer und zu schwer erkauft.

Die Freiheit – wollt’ es nie vergessen –Auch Deutschlands Einheit hat nur Wert,Wenn wir sie nach dem Segen messen,Den sie dem ganzen Volk beschert.

O, deutsches Volk – auf, auf zum SiegeUnd stürze Frankreichs KaiserthronUnd Losung sei in diesem Kriege:Die Freiheit nur ist Siegeslohn.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 267-268, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Zur Kriegserklärung 1870“, Fassung 638.556 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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