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Versbuch

Was kosten die Soldaten?

Kurt Tucholsky · 18901935

34 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Wir haben Lungenkranke,die brauchten Berg und Schnee;sie heilen –? Kein Gedanke!Wir brauchen die Armee.Da kostet jeder Jungemit Stiefel und Gewehrpro Mann eine Lunge –!Das ist unser Heer.

Von dem, was die verschwenden,von dem, was da veraast:könnten wir Gutes spenden,wo die Schwindsucht rast.Der Proletarierjungekrepiert so nebenher …Pro Mann eine Lunge –das ist unser Heer.

Es fällt durch graue Scheibenein trübes Tageslicht;die Kranken, die da bleiben,überleben den Sommer nicht.„Zeigen Sie mal die Zunge!Na ja – das wird nichts mehr!“Pro Mann eine Lunge –das ist unser Heer!

Sie haben Feldgeschütze,Schiffskreuzer und Musik;in schwarz-rot-goldner Mützebezahlts die Republik.Sie setzen an zum Sprunge.Sie sind das Militär.Sie stehlen uns Herz und Lunge.Wann – Junge! Junge! –wirfst du sie in hohem Schwungeihrem Kaiser hinterher –?

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Das Lächeln der Mona Lisa, S. 375–376, Rowohlt, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Was kosten die Soldaten?“, Fassung 1.173.976 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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