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Versbuch

Warten im Speisehaus

Kurt Tucholsky · 18901935

19 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 4. April 1912

Warum ist es so schön, zu warten? –Die Leute gehen und kommen und schwatzen,Die Trinker schlürfen, die Esser schmatzen –Und du weißt, sie kommt.

Die Tür geht auf – ein OffizierKommt herein – er hat Hunger wie wir,Hängt seinen Säbel an die WandUnd hebt die weiße Lederhand –Und du weißt, sie kommt.

Jeden AugenblickFliegt die Glastür auf, fliegt wieder zurückFremde Menschen gehen aus und ein,Wann wird sie es sein?

Aber du bist so ruhig dabei,Denn noch zwei Minuten oder drei –Und nachdem du dich noch ein bischen gedehnt hast –Tritt die ein,Nach der du dich so gesehnt hast.

Kurt Tucholsky (Berlin).

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Prager Tagblatt, Jahrgang 37, Nummer 93, Seite 6, Prag, 4. April 1912
Digitalisat
de.wikisource.org — „Warten im Speisehaus“, Fassung 1.167.584 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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