Parkett
Kurt Tucholsky · 1890–1935
21 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Das Stück hat Weltanschauung. Neben mir Ottilchenhat weit die grauen Augen aufgemacht:Der, nach dem Spiel, erhofft ein Kartenspielchen,Der eine Nacht …
Der Diener meldet die Kommerzienräte,die Gnädige empfängt, ein Sektglas klirrt.Ich streichle ihre Hand, die sonst die Hüte nähte ...Ob das was wird?
Da oben gibt es Liebe und Entsetzen,doch so gemäßigt, wie sichs eben schickt.„Ottilie“, flüstre ich, „vermagst du mich zu schätzen?!“Sieh da: sie nickt!
Nun läßt mich alles kalt: die ganze Tragikist jetzt für mich verhältnismäßig gleich.Und nimmt Madameken ihr Gift, dann sag ick:„Ich bin so reich …“
Was kümmern mich die blöden Bühnenränke!Nu sieh mal, wie sie um die Leiche stehn!Genug –… „Ottilie“, spreche ich, „ich denke –wir wollen gehn …“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 84, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Parkett“, Fassung 3.791.142 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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