Rosen auf den Weg gestreut
Kurt Tucholsky · 1890–1935
23 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 31. März 1931
Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,erschreckt sie nicht – sie sind so zart!Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,getreulich ihrer Eigenart!Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:Küßt die Fascisten, wo ihr sie trefft!
Wenn sie in ihren Sälen hetzen,sagt: „Ja und Amen – aber gern!Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!“Und prügeln sie, so lobt den Herrn.Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!Küßt die Fascisten, wo ihr sie trefft!
Und schießen sie –: du lieber Himmel,schätzt ihr das Leben so hoch ein?Das ist ein Pazifisten-Fimmel!Wer möchte nicht gern Opfer sein?Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …Und verspürt ihr auchin eurem Bauchden Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:Küßt die Fascisten, küßt die Fascisten,küßt die Fascisten, wo ihr sie trefft –!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 27, Nummer 13, Seite 452, Verlag der Weltbühne, Berlin, 31. März 1931
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Rosen auf den Weg gestreut (Tucholsky)“, Fassung 4.391.537 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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