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Versbuch

Ritardando

Kurt Tucholsky · 18901935

25 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 13. Februar 1920

Von Theobald Tiger

Der Sänger zügelt seinen Pegagaul.Denn – fragt er sich in Kümmernissen –wer kann denn um die Zukunft wissen?Man ahnt nur dumpf: es scheint da etwas faul …Der Tag vergeht.Ich weiß ja gar nicht, was noch morgen steht!

Besing ich moll wohl den Valutastand?Der Vogel singt. Die Mark sinkt auch. Wie langesoll das so gehen? fragt sich der Sänger bange.Beharfe ich die Mark im fremden Land?Der Tag vergeht.Ich weiß ja gar nicht, wie sie morgen steht!

Besing ich Polas, Sillis und pp?Soll ich die letzten Flimmergrößen feiern?Soll ich den neuen Sternen einen leiern,den Sonnen aus dem Kinoatelier?Der Tag vergeht.Ich weiß ja gar nicht, wer da morgen steht!

Wisch ich den Narren links und rechts eins aus?Den Rechten, weil sie an Gewehre glauben.Den Linken, weil sie uns die Ruhe rauben.Feg ich den Kehricht aus den Stuben raus?Die Tage gehn.Ich weiß: die bleiben immerdar bestehn –!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ulk Jahrgang 49. Nummer 7. Seite 26, Rudolf Mosse, Berlin, 13. Februar 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ritardando“, Fassung 1.011.908 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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