Rheinische Republik
Kurt Tucholsky · 1890–1935
33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 6. Juni 1919
Von Theobald Tiger
Hier offenbart sich erst die Größe:Als es in Frankreich vorwärts ging,aß man die dicken Stahltrustklößeund warb für einen U-Boot-Ring.
Das hetzt und zetert, treibt und rummelt:„Werft Bomben über ganz Paris!“Und jene Presse schreibt und schummelt,wie Ludendorff die Wege wies.
Nun aber steht doch schon bei Bölschevom Liebeswerk in der Natur –So schnitt nun plötzlich unsre KöllscheVolkszeitung die Entente die Cour.
Denn heute gehts uns nicht zum Besten.Denn heute lohnt die Treue nicht.Denn heute sinds nicht mehr die Gesten …man muß auch tun, was man verspricht.
Dafür sind diese nicht zu haben,Im Kriege krähen? Gern, es sei!Doch nunmehr überkömmt die Knabenverdammte Eigenbrödelei.
Ist das nicht alter deutscher Jammer?Das spaltet dieses Land entzwei:Ein jeder will ’ne eigne Kammer –Verdammte Eigenbrödelei!
Und jeder hat Privatmeriten.Und jeder spielt Zentralgewalt.Sanft lächeln heimlich Jesuiten –Wie alt ist dieses Lied! wie alt!
Sie schleichen in der Nacht gleich Diebensich von uns fort – wir sind allein.Und nur ein Trost ist uns geblieben:Es werden nicht die besten sein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 48. Nummer 23. Seite 82, Rudolf Mosse, Berlin, 6. Juni 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Rheinische Republik“, Fassung 1.011.907 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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