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Versbuch

Olle Kamellen?

Kurt Tucholsky · 18901935

32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Vor der Front ein junger Bengel.Er moniert die Fehler, die Schlappheit, die Mängel.Im Gliede lauter alte Leute.… Schlechter Laune der Leutnant heute …„Das kann ich der Kompagnie erklären:Ich werde euch Kerls das Strammstehen schon lehren!Nehmen Sie die Knochen zusammen, Sie Schwein!“Und das soll alles vergessen sein?

Drin im Kasino ist großer Trubel.Gläserklingen. Hurragejubel.Sieben Gänge, dreierlei Weine.Der Posten draußen hat kalte Beine.Er denkt an Muttern, an zu Haus;die Kinder, schreibt sie, sehn elend aus.Drin sind sie lustig und krähen und schrein –Und das soll alles vergessen sein?

Und das sei alles vergeben, vergessen?Die Tritte nach unten? der Diebstahl am Essen?Bei Gott! das sind keine alten Kamellen!Es wimmelt noch heute von solchen Gesellen!Eingedrillter Kadaverrespekt –wie tief der noch heut in den Köpfen steckt!Er riß uns in jenen Krieg hinein –Und das soll alles vergessen sein?

Nicht vergessen. Wir wollen das ändern.Ein freies Land unter freien Ländernsei Deutschland – mit freien Bewohnern drin,ohne den knechtischen Dienersinn.Wir wollen nicht Rache an Offizieren.Wir wollen den deutschen Sinn reformieren.Sei ein freier Deutscher – Bruder, schlag ein!Und dann soll alles vergessen sein!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 54-55, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Olle Kamellen?“, Fassung 3.779.911 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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