Nationale Verteidigung
Kurt Tucholsky · 1890–1935
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Das paßt euch so. Ihr gröhlt und brülltvon Friedensdemokraten;in dicken Phrasenrauch gehülltruft ihr nach mehr Soldaten.Obristenfrauen schrein und krähnmit euch: „Marsch-Marsch! nach Flandern!“Es sollen dorthin sterben gehndie andern, die andern!
Die Todespein der andern schwandin Urlaubstag und -Nächten.Ihr liebt nicht euer Vaterland!Ihr hängt an Vorzugsrechten!Das hamstert, schickt und schwatzt so nettbei braungebratenen Zandern.Die zwanzig Gramm vom Pflanzenfettden andern, den andern!
Die Zeit ist aus. Die andern stehnund recken ihre Glieder.So lang geduckt, und nunmehr sehnsie sich als Menschen wieder.Der Friede kommt. Und ist er hier,dann kommt das Heimwärtswandern.Die Zeit ist aus. Jetzt kommen wir:Die andern! Die andern!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 40, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Nationale Verteidigung“, Fassung 3.779.835 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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